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Altstadtfest Görlitz (Germany)

27th August 2017

Altstadtfest

Görlitz

12:00 a.m. Untermarkt
2:00 p.m. Untermarkt
4:00 p.m. Waidhausplatz
7:00 p.m. Waidhausplatz

500 Jahre Reformation von der Freiheit, selbst zu denken
oder
„Alles in Butter mit Böhme, Melanchton und Luther? “

 Das 23. Altstadtfest wird im Reformationsjahr gefeiert. 1517 wird eine Welle ausgelöst durch die veröffentlichten Thesen Luthers. Doch es waren nicht die Thesen, sondern die Situation selbst, die diesen Behauptungen der Vernunft unglaubliche Macht gaben, eine Weltansicht vollkommen zu verändern. 

Görlitz hatte als stärkste des Sechstadtbündnisses schon 1502 durchgesetzt, das religiöse Patronat in der eignen Stadt zu besitzen. Als Stadt aufstrebender Bürger und den böhmischen Landesherren weit außer Landes, fiel es den Görlitzern nicht allzu schwer, sich zur Reformation zu bekennen. Denn der Gedanke des direkten Zuganges zu Gott und der eigenständigen Entscheidung passte perfekt ins Bild eines aufstrebenden Bürgertums. Schon 1521 predigte der 1520 eingesetzte Pfarrer Hans Rotbart in lutherischer Weise in Görlitz. Da gerade die Pest sehr verlustreich in Görlitz gewütet hatte, kamen die reformierten Gedanken besonders gut an, die nicht nach Schuld und Sühne in alter Form suchten. Einige verknöcherte Ratsherren waren zu dieser Zeit vor der Pest geflohen, legten bei ihrer Rückkunft jedoch dem jungen Rotbart Steine in den Weg, so dass er 1523 Görlitz ver- und anderen ebenso reformierten Pfarrherren den Platz überließ. Die Frage des Klosters klärte sich jedoch einfach. Die Mönche übergaben dem Rat ihren gesamten klösterlichen Besitz nur mit Anspruch lebenslänglichen Wohnrechts der wenigen verbliebenen Insassen. So wäre alles in Butter mit Luther, auch mit Philipp Melanchton, den ein wohlwollender Briefwechsel mit Görlitz verband und später auch mit dem progressiven Lutheraner und Schuhmacher Jacob Böhme gewesen, dessen pantheistische Philosophie Görlitz heute gut zu Gesicht steht. Aber alle, Luther, Melanchton, Rotbart und Böhme waren in ihrer Zeit ständig Oppositionelle, denn nicht jeder Mitmensch kommt sogleich mit neuem Gedankengut zurecht. Nicht bei den Armen und schon gar nicht bei den Reichen. Es hat immer viel Kraft gebraucht, für die Allgemeinheit Vorteilhaftes, Weiterbringendes oder Lebensverbesserndes durchzusetzen, sogar oft gegen den kleinmütigen Erfassensstau derer, die es selbst betrifft. Und davon erzählt im 500. Reformationsjahr unser Altstadtfest ein gutes Stück. Kurzweil gibt es dabei natürlich in allerlei Form und Jahrhundert. Während im Nikolaizwinger und auf dem Waidhausplatz das Mittelalter und die Reformation deutlich spürbar sind, wird auf dem Untermarkt bunte Historie zu erleben sein. Neu auf dem Gottfried-Kiesow-Platz nisten sich die Zwanziger des zwanzigsten Jahrhunderts ein und zeigen die Leichtigkeit des Seins, vor allem, wenn es besonders schwer erscheint. „Das Leben ist schön!“ Jammern macht es jedenfalls keinesfwegs besser. Und so gestalten wir das Fest ganz im Sinne von Erich Kästners „Thesenanschlag“. „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“

 

Görlitz2017-08-25 Goerlitz